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Das waren 1,5 Jahre Ägypten

23. Dezember 2023

Von Animation, neu-eröffnetem Hotel und der Entscheidung, wieder nach Deutschland zu gehen

Schön, dass ihr mich alle auf diesem Weg begleitet habt. Es gibt viele Gründe, die letztlich wieder dazu führten, dass ich meinen Lebensmittelpunkt zurück nach Deutschland gesetzt habe. Gerne werde ich euch auch mehr darüber erzählen aber zunächst nehme ich euch mit auf die kleine Reise, wie unsere Firma gewachsen ist und sich verfestigt hat. Ein aufregender Weg, der viele Steine offenbart hat. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, alte Bekannte wieder getroffen und auch festgestellt, wie sehr die Welt mit Neid und Hass gefüllt ist. Ägypten war ein großes Abenteuer. Ich hatte mich verliebt und als ich dachte, diese Geschichte sei im Sommern 2022 schon vorbei gewesen, fing sie vor Ort gerade erst an. Wir waren uns so nah und doch hatte es am Ende nicht gereicht bzw. musste ich feststellen, dass dieser Mensch einen anderen Weg gehen will, den ich nicht bereit bin, zu begleiten. Es hatte noch nie jemand geschafft, mich so sehr emotional abhängig zu machen und zu manipulieren mit seinen wunderschönen Augen und seinen Lippen, die so viel versprachen und doch nur logen. Ein Mensch, der mir vorgab, mich so sehr zu mögen und doch lieber von einem Bett ins andere hüpfte, dem ich plötzlich von heute auf morgen egal war. Ein Mensch, für den ich so viel gab und der es eigentlich überhaupt nicht verdient hatte. Aber darüber möchte ich gar nicht mehr vil erzählen, denn erstens tut es noch immer ein wenig weh und zweitens wäre dies eine Würde, die ich ihm nicht geben will. Doch kommen wir zum interessantem Teil: Wie ging es mit der Firma weiter?


Ich bin ein durchweg optimistischer Mensch. Ich weiß, dass nicht alles so funktionieren kann, wie man es sich vorstellt aber wieso dann nicht trotzdem probieren? Als ich im August wieder nach Ägypten flog, nachdem mich meine Mutter für zwei Wochen begleitete hatte ich viele Ideen und Träume. Wir verbrachten einen schönen Urlaub und als sie wieder nach Deutschland flog, war es an der Zeit intensiv am großen Traum zu arbeiten: Unser erstes Hotel zu "erobern". Wir hatten Meetings, unzählige Meetings und holten die ersten deutschen Mädchen nach Ägypten. Über eine Partnerschaft, die wir eingingen, bekamen wir unser erstes Hotel. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als wir das Hotel zum ersten Mal betraten. Es war noch im Bau und stand kurz vor der Eröffnung. Das Amarina Jannah Resort in Marsa Alam. Es liegt zwischen Port Ghalib und der Coraya Bucht, meinem Zuhause sozusagen. Die Freude war gigantisch, wunderschöne Gästezimmer, in denen wir wohnen durften und ein überaus freundlichen Management. Schnell lernten wir interessante Menschen kennen, die sich für meine Videos begeisterten und mich direkt involvierten, Videos für das Hotel und die Hotelkette zu drehen. Es kamen Künstler*innen aus der ganzen Welt angereist, um vor der großen Eröffnung ihre Arbeit zu präsentieren. Ein Video, welches ich für eine Künstlergruppe drehte, wurde sogar in osteuropäischen Ländern im TV ausgestrahlt, wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich weder die Künstler kannte, noch großartig Interesse an Kunst habe aber die Videos zu drehen machte unfassbar viel Spaß. Natürlich ist so eine Eröffnung auch mit sehr viel Stress verbunden und ich spürte zum ersten Mal, wieso mir meine Freunde immer sagten, die Animationsarbeit sei stressiger als alles andere also... wenn man Managerin ist. Doch in engster Zusammenarbeit wurden wir immer professioneller, als gesamtes Team. Meine Hauptaufgabe war es, Fotos und Videos zu machen. An manchen Tagen musste ich bis zu drei Videos in kürzester Zeit fertig stellen aber es machte Spaß. Wir pendelten oft zwischen unserem großen Hotel Jannah und dem kleinen Hotel in Al Quseir hin und her, welches wir letztendlich aber verließen, da das Management mit unserem Team nicht vernünftig umging und auch so die Arbeit zu einem trostlosen Ort machte. Und das wichtigste für mich ist, dass sich jedes Teammitglied wohl und gut aufgehoben fühlt. Und dann auch immer dieser Neid. Wir lernten Menschen kennen, die uns ein Messer in den Rücken stechen wollten, uns öffentlich als Betrüger darstellten und wir letztlich sogar Anwalt und Polizei einschalten mussten. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie belastend das ist, wenn man anderen Menschen immer hilft, sich um sie sorgt und dann öffentlich mit Fotos schlecht geredet wird. Mir ist so etwas noch nie passiert und das waren immer wieder diese kleinen Momente, wo ich mir dachte, wieso ich mir das eigentlich antue.  Viele Menschen dort haben Lügen über mich verbreitet, die ich bis heute nicht verstehen kann. Ich weiß, dass die Personen, die mir wichtig sind und mich kennen, auch wissen, was stimmt und was nicht aber dennoch verstehe ich es einfach nicht, warum Menschen einem grundlos etwas Böses wollen. Permanentes Konkurrenzdenken, keiner will wirklich Hand in Hand arbeiten, sondern nur einen Weg finden, den anderen runter zu ziehen. So sehr ich diesen Ort liebte, so sehr fing ich auch an, ihn zu hassen.


Mein bester Freund und ich stritten häufig. Wir klebten ja auch 24 Stunden aufeinander, was die Arbeit an manchen Tagen schwierig machte. Er versuchte, mich zu kontrollieren und mir vorzuschreiben, was ich wann zu tun habe. Und ja, versucht das mal. Typisch ägyptisch konnte man auch kaum klärende Gespräche führen. Ein großartiger Entertainer aber in Sachen Management hatten wir oft unterschiedliche Ansichten. Vielleicht sind wir beide auch zu dickköpfig, sodass wir eben manchmal wie Steinböcke unsere Köpfe aneinander schlagen mussten.


Ab Oktober dachte ich viel daran, das Leben in Ägypten an den Nagel zu hängen. Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich und nach zwei Krankenhausbesuchen entschied ich, ich müsse mich erst einmal in Deutschland ordentlich durchchecken lassen. Auch die Bezahlung ist eine Katastrophe in Ägypten und immer hinter dem Geld hinterher rennen zu müssen, machte mich irre. Klar, unsere Animation bekam ihr Gehalt pünktlich ausgezahlt aber oft mussten wir dafür Schulden machen und ihr werdet lachen aber ich habe seit April gerade einmal 500€ bekommen und zwar an dem Tag, als ich wieder nach Deutschland flog. Ich hatte mir etwas anderes darunter vorgestellt, Managerin einer Firma zu sein. Ich hatte große Ideen und Träume, ich habe einen Haufen Shows entworfen und doch nie mit dem Team einstudieren können bis auf unsere Halloween Show, die mir aber auch den letzten Nerv raubte, da ich zunächst den gesamten Track selbst erstellte und gemeinsam mit Amir die Choreografie einstudierte, sie dann dem Team beibrachte. Am Ende wurde alles gut und die Show wurde als eine der besten Halloween Shows in Marsa Alam betitelt, doch die Freude darüber hielt nur kurz, denn der normale Alltag ging weiter. Zugegeben vermisste ich die Zeit als Gästebetreuung von Tag zu Tag mehr, da ich dort meinen geregelten Tagesablauf hatte und genau wusste, was die kommenden Tage auf mich zukommen würde. Alles in allem häuften sich die Nachrichten aus Deutschland, was alles zu erledigen sei und auch Dinge, die ich von Ägypten aus nicht regeln konnte. Ich vermisste meine Familie und Freunde, ja manchmal fühlte ich mich, als hätte ich niemanden vor Ort, der für mich da war. Ich konnte nicht offen kommunizieren, dass ich heim wollte. Ich wollte auch nicht das Team im Stich lassen, doch ich merkte, dass so langsam alles seine geregelten Bahnen ging und es keinen großen Unterschied machen würde, ob ich nun vor Ort wäre oder nicht.


Im November buchte ich mein Heimticket und meine Schwester kam mich für eine Woche besuchen, um den Rest meines Gepäcks wieder mit nach Deutschland zu nehmen. Der Abschied fiel mir nicht leicht. Noch wenige Monate zuvor hatte ich Träume, die ich nun aufgeben musste. Ich fiel in ein Loch, als ich zurück war. Zwar geht die Firma weiter und ich habe täglich Kontakt zum Team, leite die social media accounts und plane auch meinen nächsten Besuch aber gleichzeitig ist eine gewisse Leere in mir, die sich nicht entscheiden kann, was wirklich "Zuhause" ist. Noch vor einem Jahr war ich wunschlos glücklich, ich konnte sogar Weihnachten und Neujahr mit der Person feiern, die ich nie verlieren wollte, doch ich musste sie gehen lassen. weil ich die ständigen Lügen nicht mehr ertragen konnte. Er zeigte mir immer wieder, wie ersetzbar ich war, entfernte sich und kam zurück wie ein Bumerang. Er sprach von einer gemeinsamen Zukunft, zog dann mit einer anderen zusammen. Das war für ihn alles überhaupt kein Problem und ich lernte daraus, wie herzlos manche Menschen sein können. Ich verstand es nicht und ich verstehe es noch immer nicht so ganz aber man kann einen Menschen nicht festhalten und viel wichtiger: Man kann niemanden ändern. Am Ende musste ich mir einfach tief bewusst darüber werden, was ich innerlich schon immer wusste: Ich bin es einfach nicht für ihn. Natürlich tut es dadurch nicht weniger weh oder hört auf weh zu tun. Aber immerhin hörte es auf, bevor es richtig begann und ich muss nicht nach Monaten einer Beziehung erst feststellen, dass er nicht nur zweigleisig fährt, sondern einen ganzen Bahnhof leitet.


Jetzt versuche ich, mich wieder auf mein Leben zu konzentrieren. Seit Dezember arbeite ich in der Kinder- und Jugendhilfe, gehe somit also wieder einem Vollzeitjob nach und versuche noch immer, die Erlebnisse der vergangenen 1,5 Jahren zu verdauen. Manches verfolgt mich in meinen Träumen, ich bin nicht der Mensch, der einfach vergessen kann, so sehr ich mir dies auch wünsche. Ich sehe immer wieder, wie glücklich ich war und dass das alles nur ein kleines Zeitfenster war auf meinem Abenteuer, Doch ich bereue dennoch nicht, diesen Schritt gegangen zu sein. Ich hätte mich vermutlich sonst immer gefragt, was alles hätte passieren können. Ägypten bleibt dennoch mein zweites Zuhause und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Natürlich werde ich wieder kommen, das steht außer Frage aber ob ich erneut dorthin ziehen würde, das glaube ich nicht. Ich glaube, in Ägypten zu leben geht nur mit einer Motivation und für mich wäre das die Liebe. Ich hatte hier alles aufgegeben, um für so lange wie möglich dort leben zu können. Doch ohne Liebe, keine Motivation, keine Perspektive.


Jetzt stehen erstmal die Feiertage vor der Tür und nach dem stressigen Halloween Event bin ich echt froh, dass ich erst wieder im Januar zu Besuch kommen werde. Das alles bleibt ein großer Teil von mir und auch, wenn es noch Zeit dauern wird, bis dieses Kapitel endgültig mit durchweg positiven Gefühlen abgeschlossen ist, freue ich mich schon auf all die vielen Abenteuer, die in der Zukunft auf mich warten.


Bis zum nächsten Mal,

eure Lorena



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