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Mein Leben in Ägypten

3. Mai 2023

Die Reise zu mir selbst

Ich sitze hier in Deutschland, schaue aus dem Fenster und frage mich, wo die letzten 9 Monate hin sind. Ich kann es schlichtweg nicht begreifen, dass die Zeit so unfassbar schnell vergangen ist. Letztens war noch Oktober, dann hatte ich zu Dezember das Hotel gewechselt und dann ging es irgendwie nur noch "klack, klack, klack". Ein Monat nach dem anderen prasselte an mir vorbei. Vor über einem Jahr fasste ich en Entschluss, nach Ägypten zu gehen. Ich musste meinem Herzen folgen, ich musste es versuchen, wie ich ja in meinem Buch "Träume in Wüstenwind" beschrieben hatte und es gibt so viel mehr, was ich nie jemandem öffentlich erzählte. Der Grund, weswegen ich beschloss, mein gewohntes Leben aufzugeben, ja genau der Grund, der mir eigentlich schon vor Ägypten das Herz brach, dieser Grund meldete sich 5 Stunden vor meiner Abreise wieder. Und von da an wusste ich: "Lasst das Desaster beginnen". Der ganze Plan war zum Scheitern verurteilt und ja, ich musste jetzt lernen, dass jemand dich nie wählen wird, wenn er sich bereits einmal gegen dich entscheidet. Es ist Wahnsinn, was in Ägypten abgeht. Diese Lügen, das Betrügen, das ständige Flirten und Tanzen mit anderen Weibern, während die Freundin im Heimatland oder im Hotel ist und man selbst hat einfach die Einstellung entwickelt: "Not my business." Ich frage mich, ob Ägypter überhaupt treu sein können oder ob das eventuell einfach ein Teil ihres Lebens ist, dass "Treue" gar keinen Wert hat. Oder vielleicht liegt es auch daran, dass die Mädels hier ständig wieder weg sind. Sie kommen und gehen, kommen und gehen. Vielleicht gewöhnt man sich von Anfang an daran, dass das im Endeffekt eh wieder nur mit einem "Gehen" endet. Ich weiß es nicht. Aber das soll auch nicht Thema des Blogeintrags sein, darüber werde ich in meinem neuen Buch schreiben und euch dann auch die ganze Geschichte erzählen, wie naiv ich war, weil ich immer wieder glauben wollte, dass es einfach nicht sein kann, dass er mir so tief in die Augen sieht, mich nächtelang festhält und doch absolut gar nichts empfindet. Aber doch, es kann sein. Und deswegen sitze ich nun auch wieder in Deutschland, um loszukommen von dieser Droge.


Ägypten ist aber so viel mehr, als Ägypter, die nicht wissen, was sie im Leben wollen. Meine Freundin Anna und ich hatten letztes Jahr einen Podcast (Yallah Egypt) gestartet, wo wir über das Leben hier berichten wollten aber nach der dritten Folge hatten wir einfach keine Zeit mehr dafür. Genau so wenig Zeit blieb mir, als ich angefangen hatte, im "Iberotel Costa Mares" zu arbeiten. Plötzlich hatte ich viel mehr Stunden am Tag und war auf den Bus angewiesen. Nach Feierabend um 22:30 Uhr sind wir ins Fitnesscenter gefahren und dann um 00:00 Uhr zurück, noch schnell duschen und schlafen, Ich dachte ja ursprünglich, ich hätte in Ägypten mehr Zeit für meine Schreiberei aber es dürfen jetzt alle mal herzlich lachen. Ich hatte ja schon im letzten Post erwähnt, man ist immer irgendetwas zwischen hyperaktiv und dauermüde. Trotzdem liebe ich dieses Land nach wie vor. Marsa Alan ist mein Zuhause, jeder kennt sich, im Cafe muss man nur nicken und die Bestellung kommt einen Augenblick später, da sie ganz genau wissen, was man gerne trinkt und welche Shisha man raucht. Und dazu arbeitet man in den schönsten Hotels, die das Land zu bieten hat, unter herrlichem Wetter mit (in der Regel) gut gelaunten Gästen.

Die Frage ist nun, kann ich die Arbeit in Ägypten weiterempfehlen? Ja, voll und ganz! Generell war ich in meinem Leben schon immer viel unterwegs. Städtetrips mit Freunden nach London oder Paris, Apartment Urlaub in der Karibik oder diverse Reisen quer durch Europa bis Afrika. Allerdings glaube ich, dass einen nichts so sehr prägt und weiter entwickelt wie das Leben in einem anderen Land. Es ist so ein wenig eine Reise zu sich selbst, ohne dass das jetzt zu abgedreht klingt. Und Ägypten ist für mich einfach dieser ganz besondere Ort, an dem es mir gut geht, selbst wenn ich nun erst einmal Abstand brauche.


Was sind also nun die Pläne für die Zukunft? Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich weiß es nicht. Ich habe eine Idee. Und wenn das funktioniert, dann könnte das eine große Nummer werden aber noch ist es geheim, ich will ja spannend bleiben, damit ihr möglichst häufig meinen Blog besucht. Spaß, ohne Werbeanzeigen bringen Blogaufrufe nichts aber ihr werdet hier sicherlich auch keine Werbung finden, weil mich das selbst tierisch nervt und ich das auf meiner Homepage nicht will. Also kauft einfach meine Bücher. Ich hoffe ja, dass ich eines Tages irgendwo, irgendwie so leben kann, dass ich einfach schreiben kann. Mehr brauche ich nicht, außer eine grandiose Idee (wenn ich dann mal irgendwann wieder etwas anderes schreibe als über meine Gefühlswelt aber hey, das bin eben ich, voll und ganz). Ich hab auch schon Horror-Geschichten, Fantasie-Romane, Gedichte in Hülle und Fülle und n Haufen mehr Bücher geschrieben. Damals, als ich noch Zeit hatte, weil ich nur zur Schule ging. Oh oder während der Uni, da hatte ich auch schön viel Zeit für meinen Schreibkram, deswegen hab ich ja die Regelstudienzeit auch direkt mal verlängert. Was ich eigentlich sagen will ist, dass ich es JEDEM ans Herz lege, sich so viel Zeit wie möglich im Leben zu lassen, um diese wenige Zeit, die ein Menschenleben im Grunde ist, auch genießen zu können. Wir rasen immer so schnell mit allem, wollen unbedingt 18 werden und die Schule beenden. Wollen eine Ausbildung anfangen, um endlich das erste Geld zu verdienen und können es kaum erwarten, bis sich die Summe vervielfacht, wenn wir dann einen festen Job bekommen. Mit dem Job vielleicht die erste eigene Wohnung und ehe wir uns versehen, sitzen wir in einem Käfig, einem Hamsterrad, aus dem wir kaum mehr ausbrechen können.


Und es ging mir nie besser, als aus diesem Hamsterrad zu entfliehen. Ja, wer ist schon so bescheuert und gibt seine Beziehung, seine gute Arbeitsstelle, seine modernisierte Wohnung und alles auf, was er bisher kennt? Ich. Ich bin so bescheuert. Und auch wenn ich jetzt aktuell wieder in Deutschland sitze (wer weiß wie lange), würde ich es jeder Zeit wieder so tun. Mich zieht es einfach weg, in die Ferne. Ich will das Leben leben. Ich bin ein Freigeist, ein Dichter, ein Denker. Mittlerweile heißt das glaube ich "Overthinker". Das Thema hab ich auch durch. Ich hab mich für eine bestimmte Person so schwach gemacht und dadurch gelernt, wie stark ich eigentlich bin. Am Ende kann niemand beeinflussen, dass Gefühle erwidert werden, das ist mir vollkommen klar. Aber man hätte ja einfach mal ehrlich sein können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Was mir Freude an der ganzen Nummer bereitet? Ich weiß, dass er mich im Großen und Ganzen mag und eines Tages, da wird er sich erinnern und er wird es bereuen. Und das wird der Moment sein, wo mir eine warme Brise um die Ohren weht, ich genügsam einatme und meinen Partner anlächel, der alles an mir liebt und für den ich wertvoller bin, als ich es mir aktuell wohl vorstellen kann, eben weil ich nicht so bin, wie der Großteil der Frauen da draußen. Mein Herz ist aus purem Gold und ich werde mich nicht ändern, nur weil es Menschen immer wieder ausnutzen. Ich lerne und ja, ich bin eigentlich recht hart zu knacken, da ich nach außen häufig, egoistisch, oberflächlich und kühl wirke. Und das macht es umso witziger, wenn die Leute dann nach und nach merken, dass ich alles bin aber nicht das, was sie zunächst über mich dachten. Und wer es in mein Herz schafft, der kann sich vor Liebe eigentlich kaum retten.

Es gibt eine Person in eurem Leben, die es immer wert ist, dass es ihr gut geht. Sorgt dafür, dass sie sich selbst liebt, mehr als alles andere. Sorgt dafür, dass sie Vertrauen in sich selbst hat, dass sie sich schön findet, dass sie lachen kann. Sorgt dafür, dass sie auch Tränen zulässt. Ja, es ist okay mitten auf dem Boden des Zimmers zu liegen, vor Schmerz zu schreien und sich zusammen zu kauern, weil man in diesem einen Moment einfach kaputt ist. Es ist gesund, seine Emotionen zu zeigen. Es ist okay, wenn die Tränen sich in den Augen sammeln, wenn man über etwas spricht. Wut ist okay, Enttäuschung ist okay. Diese Person darf alles fühlen, was sie fühlt. Diese Person muss sich nicht verstecken und nachdenken, bevor sie spricht. Sie soll einfach so sein, wie sie ist. Und es wird Menschen geben, die sie nicht leiden können aber dafür auch Menschen, die ohne sie nicht mehr Leben wollen.


Diese Person seid ihr. Und alles, was sich euch in den Weg stellt, euch runterzieht oder euch gar eintrichtern will, dass ihr euch verändern solltet... geht. Geht einfach weg und sucht euch einen neuen Weg. Weint unterwegs, fühlt Schmerz, vermisst, was auch immer. Aber denkt immer daran, dass ihr es absolut wert seid, euch gut zu fühlen. Das Leben geht weiter, auch wenn man denkt, es wird nie wieder so sein, wie es mal war.


Seht mich an. Ich spreche den einen Tag noch über eine gemeinsame Zukunft in Deutschland, Arm in Arm, wir lachen, reden, strahlen und eine Woche später verschwinden wir aus dem Leben des anderen. Ohne eine letzte Nachricht, als hätten die vergangenen 1,5 Jahre nie existiert. Aber... die Sonne geht auf und unter, auf und unter und die Tage rasen schneller an uns vorbei, als wir hinschauen können. Ich könnte mich jetzt verkriechen, in Mitleid baden oder mir von allen wieder anhören, dass es ja von Anfang an klar war, dass es so enden würde. Aber nein, ich bin einfach nur durch mit dem Thema. Ich erinnere mich an all die schönen Momente, die wir hatten, auch wenn ich wohl vieles nie verstehen werde. Und obwohl ich 1000 Gründe hätte, kann ich diesen Menschen nicht hassen. Ich wünsche ihm sogar von Herzen das Beste, dass er irgendwann da ankommt, wo er es jetzt noch nicht für möglich hält. In meinem Herzen ist kein Platz für Hass. Doch ich nehme meine Würde und gehe, ICH entscheide, was ich in meinem Leben dulde und wie ich mich behandeln lasse. Ich habe das zu lange mitgemacht, das ist richtig. Aber gleichzeitig habe ich auch noch mehr gelernt, mich selbst zu lieben.


Die vergangenen 9 Monate waren eine Reise zu mir selbst und das hätte ich ohne ihn womöglich nicht erlebt. Ich kann es kaum erwarten, euch mehr davon zu berichten und mein Herz ein aller letztes Mal für ihn zu öffnen, bevor ich ihn und alle Erinnerungen aus meinem Gedächtnis verbanne.


Eure Lorena

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