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Bis Bald, Solaya

28. März 2022

Wo ist eigentlich Zuhause?

Anfang März sind meine Eltern und ich früh in der Nacht mit Air Cairo nach Ägypten geflogen. Der letzte Urlaub ist zwar nun erst 3 Monate her aber die Sehnsucht hatte mich schon wieder voll und ganz im Griff. Also haben wir 9 Tage Jaz Solaya gebucht. Ich kann noch nicht allzu viel zu diesem Urlaub sagen, aber er kam genau zur richtigen Zeit und er war sehr wichtig für mich und für alles, was in Zukunft geschehen wird.


Während meine Eltern am Strand die Seele baumeln ließen, war ich die meiste Zeit zwischen den Hotels unterwegs. Ich hab viel Zeit mit alten Bekannten verbracht, neue Leute kennen gelernt, "Freunde" gefunden. Ich hab mich mit neuen Gästen getroffen und mit ihnen über das Hotel gequatscht und Tipps&Tricks verraten. Plötzlich war "alleine" sein gar nicht mehr so dramatisch, wie es noch vor einigen Jahren gewesen wäre, denn tief in mir drin bin ich verdammt introvertiert. Aber da das Leben eine ständige Weiterentwicklung ist, wird auch dieser Skill ausgebaut.


Ich habe durch Zufall eine deutsche Frau kennen gelernt, die im Spa Bereich arbeitet und das eigentlich nur, weil meine Stiefmutter und ich die Idee hatten, uns eine Pediküre und Maniküre zu gönnen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut (wie das eben in Ägypten so ist) und fuhren den einen Abend gemeinsam nach Port Ghalib, tranken etwas, rauchten Shisha und quatschten stundenlang. Die Rückfahrt mit einem "Sammeltaxi" war abenteuerlich, weil irgendein betrunkener Gast uns erst mit "fuck germans" beschimpfte und dann mitten in der Wüste aussteigen wollte (That's Egypt!). Er rastete förmlich aus, weil er nicht verstand, dass das Taxi zuerst uns weg bringen wollte und dann in die andere Richtung fahren würde. Der Fahrer und wir zwei konnten nicht glauben, dass der Kerl wirklich mitten bei der Fahrt die Tür öffnete aber bevor er uns alle noch anspringen würde, ließen wir ihn ziehen. Man muss bei betrunkenen Menschen leider mit allem rechnen.


Auch lernte ich natürlich wieder mehrere Menschen aus der Animation kennen, das Solaya hat gerade auch ein deutsches Mädchen an Board. Am besten verstand ich mich aber mit jemandem aus dem Madina, zumal der einfach nicht glauben konnte, dass er immer wieder gegen mich im Kickern verlieren musste. Das ist zugegeben mein liebstes Hobby. Die Animation denkt ja immer, sie sei unschlagbar in all den Spielen. Und dann kommt da so ein freundliches deutsches Mädchen daher (->ich) und fragt, ob sie spielen wollen. Da freuen die sich erstmal, dass das ja ein leichtes Spiel wird. Und dann gehts zack zack zack und sie verlieren (meist mit deutlichem Abstand). Dann wird einer nach dem anderen dazu geholt und keiner kann es so recht fassen, dass ich so gut bin (und ehrlich gesagt bin ich gar nicht SO gut, gegen meinen Vater verliere ich trotzdem immer wieder haushoch). Ich hab auch gegen deutsche Männer gespielt, die gegen mich verloren haben und es ebenso nicht fassen konnten, meist sammelten sich auch Schaulustige um den Tisch herum und mein Papi war natürlich stolz. Und ganz ehrlich, ich trainiere ja auch schon seit knapp 8 Jahren an dem klapprigen Tisch im Solaya.😉


Den Kerl aus dem Madina hatte ich übrigens bereits im Dezember schon gesehen aber da hatte er nur kurz mit uns geredet, dieses Mal verbrachten wir recht viel Zeit miteinander, da einfach nichts los war in seinem Hotel. Ich tanzte den einen Tag sogar den Clubtanz mit ihm am Pool, da er der einige dort war. Mir ist es auch sowas von egal, was die vielleicht alle denken mögen, wenn ich da Jungs kennenlerne und mit denen was unternehme. Ich bin eben deutsch und das bleibe ich auch. Ich verstehe mich mit Jungs, ich habe hier viele männliche Freunde und genau so handhabe ich das auch in Ägypten. Klar, natürlich ohne Umarmungen und immer mit dem Gewissen, als nächstes wollen sie sich heiraten aber mein "neuer Kumpel" führt eine glückliche Beziehung und hat mich tatsächlich auch nicht angebaggert. Ja, so etwas gibt es auch noch 😜. Wenig Gäste im Hotel hat natürlich ganz klar auch Vorteile.  Ein tschechisches Mädchen, welches bei uns immer mit dabei war und ich konnten uns immer aussuchen, auf welche Aktivität wir Lust hatten und so war von Dart bis Step Aerobic alles dabei. Abends spielten wir oft Billiard. Ich lernte ihre Großeltern kennen, die mich sofort mochten und die Shopbesitzer im Madina waren am laufenden Band irritiert, ob ich nun hier arbeite oder nur Gast bin. "Ich bin alles, überall.", war meine Standard-Antwort. Mich grüßten Angestellte beim Namen, die ich gefühlt noch nie zuvor gesehen habe und ich glotzte sie vermutlich an, wie eine Mischung aus "Was willst du denn?!" und "What the...?!", trotzdem mit einem freundlichen Gruß auf den Lippen.


Mit meinen Eltern war ich natürlich die überwiegende Zeit des Tages zusammen. Wir gingen manchmal auch schwimmen, obwohl es immer noch richtig kalt war. Im Meer war ich nur ein mal, ich hab gefroren wie verrückt. Der beheizte Pool war da wesentlich besser. Vom Klima her war es schon weitaus wärmer als im Dezember, drei Tage lang war es richtig heiß, sogar schon an die 30 Grad! Bevor wir geflogen sind, waren es plötzlich wieder 21/22 Grad und richtig ekliger Wind. Die Angestellten sind, wie ihr sicherlich alle wisst, Freunde für mich. Und ob es das nun gibt in Ägypten oder nicht ist mir vollkommen egal, für mich sind sie es. Wir verstehen uns super, machen Scherze und ja, manche von ihnen trifft man sogar auf hotelexternen Partys.


Die 9 Tage gingen selbstverständlich mal wieder viel zu schnell vorbei und obwohl ich ganz genau weiß, dass ich in 4 Monaten wieder hinfliege, war der Abschied grausam. Es ist gar nicht das "tschüss" sagen, es ist nicht das Koffer packen oder "weil in Deutschland alles so furchtbar ist". Das ist es ja gar nicht, hier sind meine geliebten Tiere, Freunde, Familie, meine Arbeit. Aber dort aus Ägypten weg zu müssen ist furchtbar. Immer wieder fahre ich zum Flughafen mit einem Gefühl, als würde ich etwas falsches tun, als wäre das nicht richtig. Ich habe einen Berg im Magen. Jeder normale Mensch freut sich doch auf sein Zuhause, darauf, mit wundervollen Erinnerungen an seinen "Happy Place" zurück zu fliegen. Bei mir ist das nicht so. Ich fühle mich fremd, wenn ich wieder in Deutschland lande. Mir laufen schon im Flugzeug die Tränen, auf der Autofahrt vom Flughafen nach Hause wird es noch schlimmer. Ich frage mich dann immer: "Was mache ich eigentlich hier?". Die ersten Tage sind die schlimmsten. Dann ist alles wie mechanisch, nichts macht mir wirklich Spaß und ich verstehe es nicht. Nicht letzten Sommer, nicht im Dezember, nicht jetzt. Und es war schon immer so, seit 2014. Abzureisen hat mein Herz zerrissen. Der Moment, wenn der Bus vom Solaya weg fährt, ich einen letzten Blick auf mein Hotel werfe, bevor wir den Ausgang der Madinat Coraya passieren, um dann auf die Straße Richtung Hurghada abzubiegen, lässt mein Herz brechen. Und das obwohl ich weiß (!!), dass ich bald wieder da bin. Was ist denn los mit mir?!


Jetzt sitze ich also hier und zähle die Tage bis zu den Sommerferien. Erst fahre ich mit meiner Familie nach Kroatien und dann geht es wieder mit meiner Mutter und ihrem Freund nach Ägypten. Und dieses Mal haben wir tatsächlich das Madina gebucht und nicht das Solaya. Aber lediglich der Kosten wegen, denn meine Mutti und ihr Freund sparen somit für die 2 Wochen zusammen über 600€, nur dafür, dass es das Schwesternhotel ist, alle Konditionen sind gleich.


Und ich? Naja, das ist eine andere Geschichte...


Bis bald,

eure Lorena

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