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Unser Ägypten Urlaub 2021

27. August 2021

Der schönste Sommer seit Langem

Leise laufen die Regentropfen die Fensterscheibe hinunter. Der Himmel ist grau, die Bäume wackeln im Wind und unsere Wohnung wird von einer unheimlichen Stille umgeben. Nur manchmal atmet der Hund laut aus oder die Katze rollt sich erneut auf der Decke zu einer Kugel. Und ich sitze hier, tippe diese Zeilen mit Glückseligkeit im Herzen. Schon 6 Tage sind wir nun wieder in Deutschland, der Urlaub kam mir vor wie ein Traum. Jedes Mal wenn ich in Deutschland aus dem Flugzeug steige und meinen Koffer aus dem Gebäude ziehe, dann stelle ich mir die Frage: "Warst du wirklich weg?". Wer meinen Blog schon viele Jahre verfolgt, wird das sicherlich in einigen Posts schon mal gelesen haben. Es kommt mir alles so irreal vor, wie ein langer Traum in einem Himmelbett. Das alles konnten doch nicht wirklich 2 Wochen gewesen sein? Die ersten zwei Tage nachdem ich aus Ägypten zurück bin geht es mir immer sehr schlecht. Mein Herz weiß quasi nicht genau, wo ich eigentlich zu Hause bin, ja zum Teil weine ich sogar "ohne Grund" vor mich hin. Wie eine Bombe an Stimmungsschwankungen, die genau dann explodiert, wenn ich realisiere, dass es nun zurück in den Alltag geht. Vielleicht einfach mal ein Jahr auf Pause klicken, in Ägypten als Gästebetreuung arbeiten, keine Verpflichtungen haben und bloß das simple Leben genießen. Aber das ist gewiss nicht möglich, so sehr ich das auch manchmal in Erwägung ziehe, nicht jetzt. Vieles kommt ja sowieso anders, als man denkt. Ich dachte zum Beispiel, wir würden keinen Pauschalurlaub mehr buchen aber jetzt wo ich wieder im Solaya war, weiß ich, wo mein Herz zu Hause ist. Gut, dass wusste ich natürlich auch schon vorher aber auch Soltan hat es so gut gefallen, dass er am Liebsten direkt wieder fliegen würde. Und wenn wir wirklich in Betracht ziehen, bei einem Urlaub für ein paar Tage nach Luxor zu gehen und dann für ca. 6-7 Nächte das Solaya zu buchen, wird der Urlaub insgesamt 30% teurer als ein Pauschalurlaub. 🧐 Natürlich gibt es günstigere Hotels in Ägypten, aber wenn man die ganze Zeit, jeden Tag nur mit Arbeiten verbringt und sein Geld für den Urlaub spart, dann doch bitte dort, wo einem jeder Cent wert ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir planen nun, über Weihnachten ins Hotel zu fliegen. Die Angebote sehen derzeit ganz gut aus, nur muss das natürlich demnächst dann erstmal mit der Arbeit abgeklärt werden und wie ihr wisst, beginnt Soltan nächste Woche seine Ausbildung, da kann er ja nicht direkt am ersten Tag nach einem "Sonderurlaub" fragen (weil die Flugzeiten so liegen, dass noch ein Schultag in die 2 Tage fallen würde vor offiziellen Weihnachtsferien).  Wäre wohl ein bisschen blöd. Wie dem auch sei, möchte ich euch jetzt noch einmal persönlich von unserem Sommerurlaub 2021 erzählen:

Freitag, 06.08.21: Sommerfest im Kindergarten und Fahrt nach Frankfurt

Wisst ihr eigentlich, wie schwer es ist, noch produktiv zu arbeiten, wenn ihr wisst, dass ihr in 24 Stunden schon auf dem Weg nach Ägypten seid? Endlich wieder, nach 3 Jahren und einer Menge Covid-Ärger, Stornierungen, Hoffnungen usw.? Ich habe das Sommerfest wirklich sehr genossen, wir hatten ein cooles Motto, eine große Hüpfburg und ein leckeres Buffet aber trotzdem konnte ich es kaum erwarten, bis der Feierabend eingeläutet wurde und ich schnurstracks nach Hause düsen konnte. Dort wartete schon aufgeregt meine Mutter. Schnell die Koffer ins Auto laden, die letzten Dinge abchecken und noch schnell meine Schwester abholen, bevor es auf die Autobahn ging. Normal fahren wir so gut 3 Stunden von Hildesheim nach Frankfurt a.M., jedoch wird gerade gefühlt die ganze A7 aufgerissen und man hat ungefähr 50km ohne Baustelle. Eine nervige Fahrt aber irgendwann haben wir es dann auch geschafft. Ich hatte leider schon den ganzen Tag Ärger mit dem Online-Check-In bei Condor, da mir nur meine Mum, Nina und ich zum Einchecken angezeigt wurden. So verbrachte ich dann den Vormittag einige Zeit auf der Arbeit in der Condor-Warteschleife, um mir Gewissheit einzuholen, dass mein Mann auch wirklich mitfliegen darf. Lieber mal mit allem rechnen, was? Es stellte sich dann heraus, dass das eine Art Systemfehler ist und wir das am Schalter am Flughafen klären sollen. Ja toll, und dann sitzen wir nicht mal nebeneinander?  Ich checkte also uns drei online schon mal ein. Ihr kennt ja die Sitzreihen a 3 Personen. Ich buchte Mama und Nina Platz A und B (Fenster und Mitte) und mir dahinter Platz A (Fenster), wo Platz C (Gang) schon besetzt war. Mein schlauer Kopf hat sich gedacht, dass dann ja nur noch eine Einzelperson Platz B bekommen kann und egal wo Soltan seinen Platz bekommt, man ja tauschen könnte. Ich fliege ja seit Jahren immer mit Condor und hatte da wirklich noch nie Probleme bei den Linienflügen.

Samstag, 07.08.21: Anreise Ägypten

Schon vor meinem Wecker wurde ich wach, vergleichbar mit seinem Geburtstag in Kindheitstagen. Verschlafen taumelte mir auch meine Schwester in der Wohnung entgegen, zuvor hörte ich sie mit meiner Mutter quatschen. Nur der Ägypter, der schlief natürlich noch tief und fest 😜. Schon eine 3/4 Stunde später zogen wir unsere schweren Koffer die Straße entlang zur U-Bahn Station. Dank Zug zum Flug darf man ja für seinen Weg zum Flughafen jegliche Art von öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen, von Bus bis ICE. 👍🏼 Knapp 50 Minuten später marschierten wir zum Check-In Schalter. Da Soltan ja 2 Monate zuvor mit dem selben Flug nach Ägypten geflogen ist, wussten wir auch direkt, wo wir hinmussten und freuten uns, dass die Schlange eine absehbare Länge hatte. Es waren ja nun auch noch 3,5 Stunden bis Abflug. Die Maske nervte jetzt schon, oh je! Wie geplant bekamen wir unsere Sitzplätze und Soltan den Fensterplatz hinter mir. 4 Reisende-3 Fensterplätze, man könnte es fast als Luxus bezeichnen, jedoch hätte ich meinen Mann natürlich gerne neben mir gehabt. Aber das wurde ja mit eingeplant, auch der Mann am Schalter gab uns den Tipp, dass bestimmt jemand mit dem Fensterplatz tauschen würde, der neben mir sitzen würde, wäre ja der bessere Deal. Er konnte uns leider nicht mehr nebeneinander setzen, malesch.


Am Schalter gaben wir unsere Pässe ab und zeigten unsere Covid-Zertifikate in der Corona-WarnApp vor und schon erhielten wir unsere Bordkarten mit einem Hinweis drauf, dass wir Covid-gecheckt wurden. Um es für die Reise einfacher zu machen, scannte ich mit meiner App die Zertifikate der anderen drei und hatte dann direkt uns alle 4 auf dem Handy, so ging es wesentlich einfacher, als wenn alle mit ihrem Handy herumfuchteln.

Nun wollten wir erstmal frühstücken. Ich muss jetzt ja nicht über die Flughafen-Preise sprechen oder? Das Beste hier: Maske abnehmen! Also schön langsam essen. Danach ging es dann zum Abflugterminal in die Sicherheitskontrolle. Alles vom Körper abmachen, alles aus den Taschen nehmen und in diese Kisten legen, ihr kennt das. Während die Menschen in der Sicherheitskontrolle doch recht eng standen (natürlich mit Abstand aber eben viele Menschen an einem Ort), war es auch mit Maske anstrengend. Als es an die Passkontrolle ging, konnten Mama, Nina und ich schnell und einfach auch die automatische Passkontrolle per Gesichtsscanner. Soltan hingegen nicht, da er ja kein EU-Bürger ist. Der musste sich bei der Bundespolizei anstellen, wo sich auch Familien mit Kindern unter 18 anstellen müssen. Bisher lief das auch immer alles reibungslos, sein deutscher Aufenthaltstitel ist noch ein Jahr gültig. Lange mussten wir auch nicht warten, dann kauften wir erst einmal Wasser, denn selbst das bekommt man auf den Condor-Linienflügen mittlerweile nicht mehr. Wie es bei den Charterflügen aussieht, weiß ich nicht. Bei TuiFly oder AirCairo gab es zum Beispiel die letzten Urlaube noch zumindest ein Getränk während des Fluges umsonst. Aber naja, vergleicht fliegen heute mal mit fliegen vor 10 Jahren. Wirklich traurig ist das geworden, da können die die Passagiere auch bald einfach in eine Box stecken und in den Frachtraum verladen. Außer man bezahlt natürlich 200€ mehr für eine höhere Klasse versteht sich. Obwohl die Condor-Airbus Maschinen über Bildschirme im Flugzeug verfügen, werden selbst diese nicht mehr angeschmissen auf dem Flug. Es gab Zeiten, da konnte man direkt sehen, wo man lang fliegt, wo man gerade ist, wie lange es noch dauert und und und. Dazu oft auch noch ein Film und Comedy. Heute ist davon nichts mehr übrig. 1-2x auf dem ganzen Flug meldet sich der Pilot mal zu Wort und sagt wo wir eigentlich gerade so lang fliegen, wie das Wetter in Hurghada ist und was es schönes zum Essen gibt (wenn man es kaufen will) aber sonst verbringt man den Flug damit, sich zu langweilen oder seine eigenen elektronischen Geräte zu nutzen. Oder man verbringt die Zeit mit Essen. Ich hatte Croissants, Brezeln, Nougat-Hörnchen, Bananenchips, Riegel und 3 große Äpfel mit an Bord. Aber nun ja, wir hatten ja auch eine insgesamt knapp 13-stündige Reise vor uns. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, wurde nichts aus dem Plan mit dem Plätze tauschen, denn kurz nachdem wir auf unseren Plätzen saßen, kam ein furchtbar süßes, frisch verliebtes Pärchen angeturtelt und pflanzte sich auf die Plätze neben mir. "Guten Tag.", lächelte ich dem Mädchen freundlich entgegen. Ein scannender Blick, ein unsympathisches "Hi", schon drehte sie mir den Rücken zu und fummelte an ihrem Freund rum. Okay... das wird ja ein klasse Flug. Ich schwöre euch, es ist ja schön, wenn man verliebt ist aber Leute, muss man den ganzen Flug aneinander rumlecken und aufeinander hocken? Ich unterhalte mich ja normalerweise echt gerne mit fremden Menschen im Flugzeug aber die hat mir ja nach 2 Sekunden schon das Gefühl gegeben, sie ja nicht anzusprechen. Ich hab mich gerade mal getraut, zu fragen, ob ich mal auf die Toilette darf. Wie das immer so ist, war der Typ um ein Vielfaches sympathischer, der hätte bestimmt auch mal ein Wort mit mir gewechselt aber das hätte seine süße Freundin vermutlich zum Verrecken nicht zugelassen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mir Musik auf die Ohren zu knallen und aus dem Fenster zu starren. Nach einem guten 3/4 der Flugzeit nahm das Mittelmeer sein Ende und in weiter Ferne war die gelbe Küste Ägyptens zu erkennen. Mein Körper wurde von einer emotionalen Gänsehaut überzogen und ich kann nicht leugnen, dass mir vor Freude ein paar Tränen aus den Augen kullerten: Endlich wieder "Zuhause".


Mit ordentlich Speed unter den Tragflächen landeten wir in Hurghada nach gerade mal 4 Stunden Flugzeit. Geordnet ging es Reihe für Reise nach draußen, am Ende des Traktes vom Flugzeug zum Flughafen mussten wir noch einmal unser Covid-Zertifikat vorzeigen. In der Pass- und Visakontrolle vom Flughafen fiel mir ein Riesen Stein vom Herzen: Hier war nichts los! Soltan meinte, im Juni war es hier brechend voll und total das Chaos. Auch Mama und ich standen hier im August 2018 schon mal gut 2 Stunden an. Der Bankschalter war komplett frei, dort holten Mutti und Nina ihr Visum. Soltan brauchte eine andere Einreisekarte als die, die wir im Flieger bekamen und holte sich diese bei dem Polizisten an der Kontrolle. Sie sah eigentlich genau so aus wie unsere Einreisekarte, bloß auf Arabisch und in einer anderen Farbe. Ja und dann kam die Stunde der Wahrheit: Würden die Polizisten unsere internationale, beglaubigte und vom Konsulat legalisierte Eheurkunde akzeptieren? Oder würde es Stress geben? (In Ägypten weiß man das nie so genau) Es dauere ein wenig, immer wieder sprachen Soltan und der Polizist miteinander, er blätterte meinen Pass durch, dann seinen, dann die Urkunde. Er fragte erneut nach den Namen, blätterte wieder den Pass durch, am Ende gab es die Urkunde zurück und einen Stempel in meinen Pass: "Ehefrau von Sultan" kritzelte er da drauf. Juhu, Visumgebühren gespart, das waren die 100€ Urkundenkosten total wert.😜 Nein, Spaß bei Seite, nur mit diesem Wisch dürfen wir ja in Ägypten offiziell als Ehepaar in ein Hotelzimmer. Ich will damit nicht sagen, dass jedes Hotel das auch verlangt, unseres hat es nicht gejuckt, aber man weiß eben nie an wen man gerät.


Wenige Minuten später rollten schon unsere Koffer auf dem Band entlang und wir konnten den Flughafen verlassen, nachdem wir noch schnell eine Simkarte kauften, um in Ägypten Internet zu haben. Vodafone, 18GB für 14€ wenn ich mich recht erinnere. Klar machen die damit viel Gewinn aber es war mir furchtbar egal, ich wollte nur aus dem Gebäude raus und endlich nach 9 Stunden die Maske abnehmen.


Buff, 38 Grad schwüle, stickige Hitze knallen einem ins Gesicht, der Körper beginnt nach 1 Minute zu schwitzen. Schnell nach dem Schauinsland Futzi Ausschau halten: "Marsa Alam 4 Personen?" - "Mashy" - " Bus Nummer 102". Koffer in den Kofferraum knallen, in den Bus klettern: Sitzen. Geschafft! Wir sind endlich in Ägypten. Es stiegen noch 4 andere Menschen in den Bus mit ein, eine sehr nette Familie, die wir nach Makadi Bay in die Madinat Makadi fuhren. Wir unterhielten uns viel auf der ca. 30-minütigen Fahrt, sie konnten nicht glauben, dass ich das 9. Mal ins gleiche Hotel fliege also warf ich ein wenig die Werbetrommel an. Generell für Marsa Alam, wo sie noch nicht waren bisher und dann natürlich ganz besonders fürs Solaya. Sie fuhren auch in ein Jaz Hotel und sind von der JHG (Jaz Hotel Group) begeistert. Ich denke, die Chancen stehen gut, dass sie mal das Jaz Solaya ausprobieren. 😉 Familie abgeliefert und nun noch 2,5 Stunden weiter Richtung Marsa Alam. Kleine Pause in El Quseir, nun war es nur noch knapp 1 Stunde, die uns von unserem "Zuhause" trennte. Soltan saß mit dem Fahrer die Fahrt über vorne, meine Schwester, Mutti und ich hinten und quatschten ununterbrochen über alles Mögliche. Nun wurde es ernst, noch 15 Minuten Fahrt, die nächsten Lichter, die vor uns auftauchen würden, ist schon unsere Bucht. Mein Puls stieg, ich kann dieses Gefühl kaum beschreiben. "Willkommen", sagte der Fahrer, als wir am Three Corners vorbeifuhren. Links das neue TUI Alaya, das Steigenberger Coraya Beach und... "Madinat Coraya", der Bus bog ab. Durch den Eingang und nach Links, groß leuchtete das goldene "Jaz Solaya". Wir waren angekommen. Buff, wieder diese schwüle Hitze ins Gesicht aber das war egal, der erste Angestellte eilte uns entgegen: "Willkommen zurück! Hier bitte keine Maske, es ist Urlaub." Ja aber gerne!

Kaum betraten wir die Lobby, kamen aus allen Ecken Angestellte angelaufen, um ihren alten Kollegen zu begrüßen. Sie strahlten, Soltan strahlte, ich bekam fast einen Herzkasper vor lauter Aufregung, Glückseligkeit und emotionalem Firlefanz. Wir bestellten uns einen Cocktail, der uns mit viel Liebe aufgeregt kredenzt wurde und Soltans Ankunft sprach sich herum wie ein Lauffeuer. Trotzdem wollten wir nur schnell aufs Zimmer und dann ins Restaurant, da für uns ein Late-Dinner organisiert wurde. Jetzt hatten wir 13 Stunden Anreise hinter uns, wir waren kaputt und müde, doch trotzdem war alles innerhalb eines Augenblicks, eines Wimpernschlags wieder vergessen. Nun sind wir endlich angekommen und schon nach den ersten Minuten im Hotel war es die lange Reise sowas von wert! Auf dem Weg zum Zimmer wurde ich jedoch nachdenklich. Oh Corona, was hast du nur mit unserem Hotel gemacht? Natürlich hatte das Solaya erst vor einigen Monaten wieder eröffnet nach der Covid Pause aber es ist August! Das heißt normaler weise 100% Auslastung mit ca. 90% deutschen Gästen. Jetzt hörte ich nur Sprachen, die ich nicht verstand von den wenigen Tischen, die in der Lobby und auf der Terrasse besetzt waren. Klar war es auch schon 22:00 Uhr aber das änderte nichts daran, dass ich die Situation äußerst komisch fand. Nach dem Essen genossen wir noch einen Drink, bevor wir völlig k.o. ins Bettchen fielen. Let's get ready for holiday! Unser langersehnter Urlaub kann beginnen!

Montag, 9. August 2021: Mamas Geburtstag

Wann immer wir in den Sommerferien ins Solaya fliegen, fliegen wir meist über meinen Geburtstag (03.07.) oder über den meiner Mama (09.08.) ins Hotel. Für meine Mama wollten wir also dieses Jahr eine kleine Überraschung planen und fragten unseren "Freund" von der Rezeption nach einem schön dekorierten Tisch. Natürlich war dies überhaupt kein Problem und er schlug vor, auch noch etwas Besonderes zum Essen zu machen. Das ist vermutlich auch der Vorteil jetzt während Covid zu verreisen, ich hatte generell durchgehend das Gefühl, dass man noch spezieller behandelt wird als eh schon. Und nein, das lag nicht nur an Soltan. Ich glaube, wenn man 5x im Hotel war, dann bekommt man automatisch einen "VIP-Status" verbucht. Was das genau heißt, kann ich euch nicht sagen, denn ich hab mich bei jedem Besuch einfach nur pudelwohl und erstklassig bedient gefühlt. Wie dem auch sei, wir schlendern also abends ins Safari-Restaurant und steuern auf den Tisch zu, wo wir die letzten 2 Abende gegessen haben, da sehen wir schon von Weitem, wie liebevoll sie den Tisch eingedeckt und mit Blüten dekoriert haben. Mama war gerührt, Mission erfolgreich. Als besonderes Essen sollte nun ein Seafood Teller kommen, davon wusste Mutti aber nichts, sie schob eher Panik, dass wir den trommelnden Geburtstagschor geordert haben. 😅 Aber wir sind ja liebe Kinder und wussten, dass sie das nicht wollte, weswegen wir diese nette Geste vom Hotel dankend ablehnten. Wenige Minuten später kam der Kellner mit zwei großen Seafood-Platten an unseren Tisch. Wer soll denn das alles essen? Aber es sah so gut aus! Und es hat auch fantastisch geschmeckt. Unser Solaya Team ist eben einfach das Beste!

Dienstag, 10. August 2021: Ausflug nach Luxor

Für mich stand bei diesem Urlaub auch schon früh fest, dass ich Soltan Familie wiedersehen wollte und da die Bedingungen es hergaben, lud ich meine Mutter und Schwester auf den Ausflug nach Luxor ein. Es war ein bisschen kniffelig, den Transfer im Vorfeld zu buchen und wie das (vor allem in Ägypten) so ist, kommt es anders als geplant. Eigentlich wollte Soltans Bruder ein Auto mieten und wir wollten privat nach Luxor fahren. Beim Verleih erfuhr er dann aber, dass es Touristen nicht erlaubt ist, zu dritt hinten zu sitzen, weswegen sein Bruder uns dann einen Fahrer + Kleinbus nach Marsa Alam schickte. Wir waren guter Dinge, da Google Maps uns eine Fahrtzeit von 3h45min anzeigte. Das geht ja noch! Damals mit Lisa unser Tagesausflug brauchten wir über 5 Stunden pro Fahrt. Das war ein echt cooler aber verdammt anstrengender Trip. Was haben wir Glück, dass wir dieses Mal nur knapp 4 Stunden brauchen würden. Kurz nach El Quseir kam dann die Ernüchterung: Diese Straße ist für Touristen gesperrt, weil es keine Polizei-Kontrollen auf der Straße gibt. Ach kommt schon... nein, wir mussten den anderen Weg nehmen. Also ging es nun die lange Route über Safaga und Qena. Was für ein Umweg! Aber was solls. Wir konnten es nicht ändern und saßen zudem auch recht bequem in dem Minibus. Ich hätte ja am Liebsten auch so ein Auto, die sind einfach mega zum Reisen. Durch die Wüste war es langweilig. Es gab nichts zu sehen außer Berge, Sand und Prärie. Dann wurde es langsam interessanter, die erste Stadt nach 2 Stunden: New Qena City, jedoch sahen wir sie nur von Weitem. Die Aussicht wurde immer grüner und schon fuhren wir parallel vom Nil von Qena nach Luxor. Hier gab es nun viel zu sehen für meine Familie, das typisch ägyptische Leben. Obststände am Straßenrand, Dattelpalmen, Felder, ägyptische Dörfer samt Eselkarren und die Menschen, die glücklich beieinander sitzen, Kinder die spielen und Autos die hupen. 😉


Auch wenn die letzten 1,5 Stunden Fahrt interessant waren, wir waren überglücklich, als wir endlich in unserem Hotel für eine Nacht angekommen waren: Hilton Luxor Resort & Spa. Bed and Breakfast im Familienzimmer (2 DZ mit Verbindungstür) für 111€ / Nacht. Für ägyptische Verhältnisse teuer, für unsere Verhältnisse für ein 5 Sterne Hotel direkt am Nil ein gutes Angebot. Gebucht haben wir über Booking.com, Check-In verlief schnell, einfach und reibungslos. Hier im Hilton herrschte Maskenpflicht, außer am Pool. Das Hotel ist von der Größe her aber auch nicht vergleichbar mit einem All-In Hotel am Roten Meer. Von der Aufmachung vom Hotel waren wir sofort begeistert, besonders vom Pool und dem Außengelände. Meine Mama meinte nur: "In so einem schicken Hotel war ich noch nie!". Es ist ja auch ein 5 Sterne Bunker und trägt den Namen Hilton. Jedoch hab ich in solchen Hotels immer das Gefühl, dass alle von einem Geld verlangen. Egal ob jemand mit dem Koffer hilft, dir eine Liege zurecht rückt oder einen Schirm aufspannt. Irgendwie geben die einem das Gefühl, dass das jetzt etwas kosten müsste. Wir genossen ca. 2 Stunden im Hotel nach der langen Fahrt, während Soltan sich mit seinen Freunden traf, bevor wir dann zum Sonnenuntergang eine kleine Tour durch Luxor starteten. Als erstes gab es eine kleine Bootstour: 45min für 5€. Danach gingen wir typisch orientalisch essen, was ich besonders liebe. Einfach von allem was bestellen, sodass der ganze Tisch voll ist und dann gemeinsam davon essen. ❤️ Nach dem Essen ging es dann auf den Souk in Luxor. Wir wollten eigentlich nicht wirklich shoppen, sondern einfach nur mal diesen Ort auf die beiden "Fremden" wirken lassen. Und die Männer buhlten sich natürlich um unsere Aufmerksamkeit. Genau so wie die Kinder, die einem Taschentücher verkaufen wollen, Frauen, die einem mit Schals hinterherlaufen und diese nervigen Kutschenfahrer, die einfach nicht locker lassen. Ja, Luxor ist eine Erfahrung wert. Nach dem Souk gingen wir am Luxor Tempel entlang an der Straße, die sie gerade für die Touristen bauen, bevor Soltans Bruder uns abholte und wieder zum Hotel brachte. Meine Mutter und Schwester verbrachten den Abend dann im Hotel und wir fuhren weiter zum Dorf meines Mannes, welches ca. 30min vom Hotel entfernt liegt.

Das Treffen mit der Familie

Es ist nun 3 Jahren her gewesen, dass ich Soltans Familie das letzte Mal gesehen habe. Viele kamen uns schon auf der Straße entgegen und fielen meinem Mann um die Arme. Im "Wohnzimmer" warteten dann seine Mama, die Schwestern, die Schwägerin, drei Brüder, 2 Tanten, 3 Cousinen und ca. 10 Nichten & Neffen auf unser Eintreten. Ich fühlte mich nicht wohl, wenn ich ehrlich bin. Ich war sehr müde, viele von den Menschen kannte ich noch nicht und sie alle starrten mich erwartungsvoll an. Nervös spielte ich mit meinen Händen herum, viel mehr als 3 Sätze konnte ich mit ihnen noch nicht sprechen, da wir ja aktuell mehr Wert darauf legen, dass Soltan Deutsch lernt. Seine Schwestern lächelten mich immer wieder lieb an, mit ihnen fühlte ich mich wohl, von den älteren Damen im Zimmer fühlte ich mich jedoch auf eine merkwürdige Art und Weise gemustert. "Sie haben noch nie eine Ausländerin gesehen.", meinte Soltan als er spürte, dass ich mich nicht wohl fühlte. "Es ist okay, ich bin nur kaputt... Die weite Reise, das heiße Wetter und spät nachts noch die doch irgendwie leicht fremde Familie zu treffen, das ist gerade etwas viel für mich." Und der Zucker ist dann ja auch immer not amused. Immer wieder liefen neue Kinder ins Haus und begrüßten mich, das jüngste Kind schrie viel und dann ging Soltan mit seinem Bruder nach draußen und ich sah nervös auf den Fernseher, sah mich immer wieder in der "Wohnung" um. 2 Betten, eine Couch, der Boden ausgelegt mit Teppichen und ein Fernseher an der Wand. Ein kleiner Tisch wurde vor mich gestellt, damit ich meinen Tee dort abstellen konnte. Daneben war noch ein Zimmer, voll gestellt mit Schränken und 2 einfachen Betten.  Soltan sagte mir immer wieder, ich würde es dort hassen. Aber ich wollte sein Dorf sehen, sein "Leben" kennenlernen. Die Küche war alt und eng und so klein, dass kaum mehr als 2 Personen rein passten. "Das Badezimmer zeige ich dir lieber nicht. Wir fahren jetzt zu meinem Neffen, der hat geheiratet und eine ganz neue Wohnung. Da kannst du auf die Toilette gehen." Ich fühlte mich ein wenig erleichtert, die "Wohnung" zu verlassen, fühlte mich jedoch ebenso schlecht, dass ich Erleichterung verspürte. Ich glaube, es waren für mich einfach zu viele Personen auf einmal und die Hälfte auch noch "völlig fremde". Wären nur seine Mama und die beiden Schwestern da gewesen und vielleicht 3-4 Kinder, dann hätte meine müde, erschöpfte Verfassung das besser vertragen. Als wir uns verabschiedeten sagte seine Schwester zu mir, dass ich beim nächsten mal 3,4,5,10 Tage bleiben soll mit ihnen, um mich wohler zu fühlen. Dann sollte ich auch hier schlafen. Soltan lachte und sah mich an: "Du wirst hier nicht schlafen." Und ganz ehrlich... ich fragte mich auch wo. Sein Neffe und seine Frau waren herzallerliebst. Eine sehr schüchterne, zurückhaltende Frau im Niqab (wo man nur die Augen sehen kann), zeigte uns stolz ihre neue Wohnung. Besonders stolz waren sie wohl auf die Küche, da musste ich mir jeden Schrank und jede Schublade samt Inhalt ansehen. Ich versuchte ein interessiertes und bewunderndes "Mashaallah" rauszubringen, mein Körper signalisierte mir jedoch schon, dass ich dringend Schlaf bräuchte. Soltan blieb die Nacht bei seiner Familie, es stand noch eine Hochzeit im Dorf an. Mein Gott, ich schlafe schon fast im Stehen ein und der geht jetzt noch Hochzeit feiern? Typisch ägyptisch dachte ich lächelnd, als Soltans Bruder mich zurück zum Hotel brachte. Wir verabschiedeten uns voneinander, die Fahrt über schicken meine Schwester und ich uns Live-Standort. Auch Mutti war noch wach und sorgte sich mal wieder ein wenig. Jedoch fühlte ich mich in Ägypten bisher noch nie unsicher, ganz egal wo wir waren. Außer während der Autofahrt am nächsten Morgen...

Wir alle haben die Nacht im Hilton wirklich wunderbar geschlafen, wie auf einer Wolke. Dafür war das Frühstück leider so gar nicht pokalverdächtig. Es hat zum einen niemanden interessiert, als wir uns hingesetzt haben, genügend neue Tassen zu bringen, nein, die, die dort standen waren auch noch dreckig (nicht benutzt aber eben nicht richtig sauber gemacht). Geschmeckt hat es uns auch nicht wirklich, da waren wir von einem 5 Sterne Hotel echt ein wenig enttäuscht. Der super Spa-Bereich mit seinem Infinity Pool hat es aber schnell wieder wett gemacht. Ca. 1 Stunde genossen wir noch den Blick auf den Nil am Pool, bevor wir uns abreisefertig machten. Check-Out war ebenso wieder einfach und unkompliziert, da stand auch schon unser Kleinbus samt meinem Mann vorm Hotel. Nun ging es wieder 5 Stunden zurück. Die ersten 1,5 Stunden waren wieder interessant, dann kam jedoch die Wüste. Ich versuchte ein wenig zu schlafen aber mehr als 40 Minuten rumdösen war leider nicht drin. Irgendwann fiel mir dann auf, dass der Fahrer seine Augen immer ganz komisch zusammen kniff und ich ließ meine Augen nicht mehr vom Rückspiegel ab. Schläft der gleich ein? Ich beobachtete das ganze ca. 5 Minuten, dann sagte ich zu Soltan, er soll sich bitte nach vorne setzen, der Fahrer schläft gleich ein. "Malesch, das ist in Ägypten so, das machen alle." - "Ne Schatz, da kann Sekundenschlaf passieren und ich will nur ungerne an einem der heißen Berge hier kleben." - "Ich vertraue meinen Gott. Wenn wir einen Unfall haben, dann soll das so sein." Ich sah ihn an und wusste nicht, ob ich nun lachen oder weinen soll. Ja, er hat ja recht vom Prinzip her. Aber von meinen Prinzipien her, fährt jemand nicht todmüde einen Kleinbus mit Fahrgästen drin. "Bitte setz dich nach vorne, biete ihm Saft an und unterhalte dich mit ihm." Mein Manns schnaufte aus, sprach den Fahrer an und kletterte nach vorne. Dieser zuckte regelrecht zusammen, da er sich ja schon halb im Träumeland befand. Plötzlich hörte das auf mit den zufallenden Augen und dem runtersackendem Kopf, als er sich mit Soltan unterhielt. Alles schön und gut aber bei sowas verstehe ich wirklich keinen Spaß.

Kurz bevor die Sonne untergegangen war, kehrten wir wieder im Hotel ein. Unser Freund von der Rezeption schrieb uns unterwegs bereits, ob er ein Late-Dinner für uns organisieren sollte aber wir kamen ja rechtzeitig zum Abendessen wieder zurück. Hach, sind sie nicht einfach allerliebst? Der Ausflug an sich war aufgrund der langen Fahrt echt anstrengend aber meine Familie fand es interessant und aufregend, mal Luxor gesehen zu haben. Nun wollten wir die rechtlichen 10 Tage aber auch einfach nur noch entspannen und planten von daher keine Ausflüge mehr, außer an einem Abend nach Port Ghalib, wo Mutti uns in ein Restaurant einladen wollte. Und Port Ghalib kann man wirklich immer mal besuchen. Wir sind auch an einem Tag mal ins neue Jaz Maraya gegangen, um uns das Hotel anzusehen. Immerhin konnte man beim letzten Urlaub das Hotel ja bloß erahnen. Auch zum Steigenberger Coraya gingen wir, um Freunde von Soltan zu treffen. Er hatte mir ja mal gesagt, dass ihn alle dort total mögen aber ich dachte mir immer: Ja klar, wer gut arbeitet, der wird auch nett behandelt. Aber ich war wirklich überrascht, wie herzlich er empfangen wurde, wie jeder Gärtner, Kellner, Roomboy, Manager usw. strahlend ankam und uns mitteilte, wie sehr sie ihn alle vermisst haben. Das hat mich schon berührt und Soltan wollte 2018 ja nie wieder einen Fuß in diese Gegend setzen, vielleicht erinnert ihr euch an den Post vom Urlaub damals. Die meiste Zeit des Urlaubes war er also an der Bar und hat gequatscht, war im Pool und hat mit Stammgästen gequatscht (Ja, tatsächlich haben wir insgesamt 4-5 deutsche Familien getroffen, die ebenso verrückt sind wie wir und den "weiten Weg" von Hurgahda auf sich genommen haben, nur um wieder im Solaya sein zu können) oder war gegenüber vom Hotel im Staff Haus mit Freunden oder seinem Bruder zusammen. Mich hat das nicht gestört, ich hatte ja Mutti und Nina bei mir und war somit nicht alleine.

Die restlichen Tage verbrachten wir also mit Schnorcheln, Aqua Park, Dart Spielen und abends Cocktails genießen. Der Urlaub kam genau zur richtigen Zeit, um einfach mal komplett runter zu schalten und um vor allem auch das nervige Corona-Thema mal zu vergessen. Sie haben zwar im Restaurant bei Eintritt immer Fieber gemessen aber sonst hat man gar nicht groß an Corona gedacht. Es gab im Restaurant auch Einweg Handschuhe für die, die möchten und Abstand halten war auch kein Problem, da eben einfach nur so wenig Gäste da waren. Vielleicht war es auch ein bisschen langweilig, wenn das Hotel fast wie geschlossen zu sein scheint aber ich habe das genossen, dass wir zum Teil mal die einzigen im großen Pool waren, Wettschwimmen machen konnten oder mal durch den ganzen Pool tauchen konnten. Das sah sonst in den Ferien ganz anders aus. Ich habe mich dieses Mal auch ins Zeug gelegt und ein paar Videos für YouTube gedreht. Eines von der Bucht, eines vom Hotel und eines von unserem Urlaub, wo ihr noch einen besseren Einblick mit 4k Videos bekommen könnt.


Damit verabschiede ich mich auch schon wieder und hoffe sehr, ihr schaut mal in den Videos vorbei und teilt mir mit, ob die gut geworden sind oder was ich besser machen könnte. Ich bin ja offiziell eher so der Schreib-Typ, obwohl ich wirklich gerne Reisevideos drehe (Ich hab von so ziemlich jedem Urlaub welche als die sind bisher immer privat gewesen😛).


Bis zum nächsten Mal,

Eure Lorena

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